Wiederaufbau der Weiherschleife
Dromm losst die letzt wo ma noch honn, net aach sesamefalle,
em Name von der Schlefferzunft, dout ajn devon erhalle;
gebt auere Känn on Enkelkänn wenigsten der Begreff,
so hot auwer Ururgroßvatter emol sein Stän geschleff.
Schon in den Jahren 1948 und 1949 trugen sich die Idarer Karneval Gesellschaft und der Idarer Proppenverein mit dem Gedanken des Erhaltens und des Aufbaues einer alten Wasserschleife. Nachdem damals die Verhandlungen ergaben, dass wegen den verworrenen Besitzverhältnissen ein Aufbau der Kaulwiesenschleife nicht gut möglich ist, wandte sich das Interesse der IKG und des IPV der noch aufbaufähigen Weiherschleife zu. Um das Projekt finanzieren zu können, wurde im Sommer 1949 zwischen beiden Vereinen ein Fußballspiel und am 5. November des gleichen Jahres in der Turnhalle ein Heimatabend veranstaltet. Der Grundstock war vorhanden und wurde teilweise für die nötigsten Reparaturarbeiten verwandt. Jedoch sah man nach kurzer Zeit, dass alles „für die Katz“ war, da Fensterscheiben, Schieferbelag usw. der Zerstörungswut der Jugend zum Opfer fiel. Der Aufbau wurde daraufhin eingestellt und seitdem ruhte der restliche Betrag auf dem Konto „Aufbau Weiherschleife“ den Schlaf der Gerechten.
In den nachfolgenden Jahren versuchte die Stadtverwaltung die einzelnen Anteile aufzukaufen und so die Weiherschleife in den Besitz der Stadt zu bringen. Dieses ist auch zum Teil gelungen, jedoch scheiterte die Sache an den Forderungen der Anteilsinhaber der letzten drei Anteile, wodurch die Weiherschleife der Zwangsversteigerung entgegengetrieben wurde.
In der Jahresversammlung der IKG am 17.6.1953 griff der damalige 1. Vorsitzende Eugen Morschhäuser unerwartet die Sache wieder auf und bat die Mitglieder, das damals begonnene Werk weiterzuführen. Er führte u. a. aus, dass die letzte aufbaufähige Schleife kurz vor dem Totalverfall stehe und dass die Art der Regelung durch die Stadtverwaltung und andere Interessenten keinerlei Gewähr für die Rettung der Weiherschleife bieten würde. Er stellte den Antrag, dass die IKG gemeinsam mit dem Proppenverein ihre ganze Kraft in den Dienst des Aufbaues dieses Kulturdenkmals stellen sollten und zu diesem Zweck versuchen, Miteigentümer zu werden, um überhaupt einmal Gewalt in den Händen zu haben, um den Verfall und der Zwangsversteigerung wirksam entgegentreten zu können.
Am 21.6.1953 fand dann eine Sitzung zwischen IKG und IPV statt. Der IPV wurde über das Vorhaben informiert. Wie nicht anders zu erwarten, fand dort der Vorschlag der IKG begeisterte Aufnahme, sodass eine gehobene Stimmung aufkam, wobei schon der erste Grundstein einer kameradschaftlichen Aufbauarbeit gelegt wurde.
Schon 14 Tage später konnte man durch den Ankauf von drei Anteilen Miteigentümer an der Weiherschleife werden. Durch geschicktes Verhandeln der beiden Vereine verkaufte man die Anteile an die Stadt unter der Bedingung, die Weiherschleife und das dazugehörige Gelände auf 20 Jahre zu verpachten, um den Aufbau vornehmen zu können. Somit war die Weiherschleife für zwanzig Jahre gesichert und es konnte mit dem Aufbau begonnen werden.
In der Folgezeit zeigte sich bei den aktiven Mitgliedern ein Gemeinschaftsgeist, wie er erst fast 40 Jahre später beim Bau des Vereinsheims der IKG wieder zu registrieren war. Durch den bewundernswerten Einsatz, hauptsächlich der jüngeren Mitglieder, wurde das Gebäude entrümpelt, Wasserläufe gereinigt, schadhafte Mauern abgerissen und durch neue ersetzt. Zum Legen der Wasserleitung wurden Erdarbeiten ausgeführt, vor dem Einfluss des Weihers wurde ein Abflussgraben zum Bachbett zur Entschlammung angelegt usw. usw.
Obwohl mit der Inbetriebnahme der Schleife auch die Frage der Instandsetzung des verschlammten Weihers gelöst werden musste, wagte sich die Truppe nicht, an dieses schwerwiegende und scheinbar unlösbare Problem zu denken. Aber auch diese Klippe wurde überwunden! Durch Verbindung zum Chef des Truppenübungsplatzes in Baumholder und durch diesen zu einem amerikanischen Pionierbataillon kam dann nach einer Ortsbesichtigung die Zusage zur Instandsetzung des Weihers. Das 293. Pionier-Bataillon hat unter ungünstigsten Witterungsbedingungen mit zwei Baggern, Bulldozern, Pumpen usw. den Kampf gegen den Schlamm und Dreck aufgenommen. Als die amerikanischen Freunde nach einigen Rückschlägen mit defekten Maschinen, verdreckt und müde und doch mit lachenden Gesichtern abrückten, war der Weiher frei von Schlamm und Gestrüpp und nach dem zweiten Einsatz wurde der Damm in nie gekannter Breite und Festigkeit gebaut, sodass heute der Kallwiesweiher, nachdem er wieder das Wasser des Idarbachs aufgenommen hat, in altgewohnter Schönheit das Tal ziert. Nach Berechnungen der Offiziere betrug der Kostenaufwand für diesen Einsatz ca. 15.000 US-Dollar. So kann man ermessen, welchen Dank die Aufbaugemeinschaft und die ganze Bevölkerung den amerikanischen Freunden für ihre kostenlose Arbeit schuldeten. Es folgten einige Einladungen der bei dem Einsatz beteiligten Soldaten zu Veranstaltungen der IKG und des IPV.
Nach weiteren Bauarbeiten an und in der Schleife war es eines Tages so weit, dass man sich zurief: „Das Wasserrad hängt“. Für die Beteiligten eine Freude und für die Pessimisten eine Lehre, dass auch Narren mitunter ernst machen können.
Die Liste der aktiven Mitwirkenden unter der Leitung von Eugen Morschhäuser ist lang und kann im Archiv der IKG eingesehen werden. Diesen Enthusiasten gebührt ein großes Dankeschön. Mit der Einweihung der Weiherschleife konnte man sagen, dass der Wunsch der gesamten Bevölkerung Idar-Obersteins erfüllt wurde, dass die Weiherschleife der Nachwelt erhalten bleibt als Wahrzeichen unserer Heimat und Zeuge einer alten Schleiferromantik am Idarbach.
Der Wunsch der steht dem Schleffer zou, der ess nur recht on billig,
ajn Schleef mouß gehen am Ejrerbach, dat senn mer all em Schellig,
do senn mer all verpfliecht dezou, als Stadt der Edelstään,
denn mir honn e Tradition, die derf net onnergehn.
Solanga ma noch em Ejrerdahl e Hahn ent Fäßje schleet,
solang ma off e Eiseroost noch en Hochrepp hinlädt,
solang me noch bei Schnaps on Ween e Zuuch mischt oos da Peef,
bleebt dat Symbol von uhser Stadt: De Schleffer on die Schleef.
Text: Eugen Morschhäuser, aus „Weiherschleife, Symbol und Verpflichtung“, aktualisiert von Michael Thiel. Reim: Auszug aus dem Vortrag „De Schleffer“ von Max Hahn.